Hydrologischer Status NRW zum 31.10.2024

06. November 2024

Niederschlag

Überdurchschnittlicher Niederschlag im Oktober

  • Im Oktober 2024 sind in NRW im Gebietsmittel rd. 74 mm Niederschlag gefallen, was einem Niederschlagsüberschuss von rd. 7 % im Vergleich zum langjährigen Mittelwert (Betrachtungszeitraum: 1881-heute) entspricht. 
  • Zeitlich lagen die Niederschlagsschwerpunkte in der ersten Monatshälfte.
  • In den letzten 12 Monaten sind rd. 1.176 mm Niederschlag gefallen, wodurch sich im Vergleich zum langjährigen Mittel ein Gesamtüberschuss von rd. +328 mm für diesen Zeitraum ergibt. Dies entspricht einer relativen Abweichung von rd. +39 % gegenüber dem langjährigen Durchschnittswert.
  • Die relativen Abweichungen der letzten Jahre für den identischen Zeitraum betrugen zum Vergleich
    • November 2017 - Oktober 2018    -21,9 %
    • November 2018 – Oktober 2019    -5,7 %
    • November 2019 – Oktober 2020    -5,0 %
    • November 2020 – Oktober 2021    -1,4 %
    • November 2021 – Oktober 2022     -19,5 %
    • November 2022 – Oktober 2023     +22,4 %
    • November 2023 – Oktober 2024  +38,7%
  • Somit ist das abgeschlossene hydrologische Jahr 2024 (Nov. 2023 bis Okt. 2024) das nasseste hydrologische Jahrs seit Beginn der Aufzeichnungen im Jahr 1881.

Übersicht über die Niederschläge der letzten 12 Monate (Datenquellen: DWD, LANUV; Stand: 04.11.24)

grün: Niederschlag überdurchschnittlich,  rosa: unterdurchschnittlich,
weiß: durchschnittlich, ocker: langjähriger Durchschnitt

  

Nov. 23

Dez. 23

Jan. 24

Feb. 24

Mrz. 24

Apr. 24

Mai 24

Jun. 24

Juli 24

Aug. 24

Sep. 24

Okt. 24

monatl. Niederschlag

mm

139,8

160,7

85,3

103,8

66,2

86,1

122,9

87,5

86,2

79,1

84,1

74,2

summiert

mm

139,8

300,5

385,8

489,6

555,8

641,9

764,8

852,3

938,5

1017,6

1101,7

1175,9

Mittel 1881-heute

mm

72,0

80,4

74,7

61,1

60,8

55,4

64,0

74,6

86,6

81,1

67,4

69,7

summiert

mm

72,0

152,4

227,1

288,2

349,1

404,4

468,4

543,1

629,7

710,8

778,2

847,9

Überschuss / Defizit pro Monat

mm

%

+67,8

+94,1

+80,3

+99,9

+10,6

+14,1

+42,7

+69,9

+5,4

+8,8

+30,7

+55,5

+58,9

+92,1

+12,9

+17,2

-0,4

-0,5

-2,0

-2,5

+16,7

+24,9

+4,5

+6,5

Überschuss / Defizit seit Anfang November 2023

mm

%

+67,8

+94,1

+148,1

+97,2

+158,7

+69,8

+201,4

+69,9

+206,7

+59,2

+237,5

+58,7

+296,4

+63,3

+309,2

+56,9

+308,8

+49,0

+306,8

+43,2

+323,5

+41,6

+328,0

+38,7

Boden

Keine Dürreerscheinungen in den Böden in NRW.

  • Im Oktober weisen die Böden (Oberboden und Gesamtboden), verglichen mit den langjährigen Bodenfeuchtegehalten (Bezugszeitraum 1951 bis 2015), keine Dürreerscheinungen auf.
  • Das aktuell pflanzenverfügbare Wasser in NRW, abgeleitet aus der nutzbaren Feldkapazität (=nFK in %), liegt im Wesentlichen zwischen 80 und 100 %. In einigen Regionen NRW´s, wie z. B. im Südwesten, fällt das pflanzenverfügbare Wassser mit rd. 50 bis 80 % nFK etwas geringer aus, ist aber weiterhin ausreichend verfügbar für die Pflanzen. Im Bereich des Münsterlandes und im Luv des Teutoburger Waldes hingegen sind die Böden mit Werten von überwiegend >100 % übersättigt.
  • Die folgenden Grafiken zum Dürrezustand des Bodens zeigen die gemittelte Bodenfeuchte der letzten 30 Tage eingeordnet anhand des Bodenfeuchteindex (SMI) für den Gesamtboden und den Oberboden. Die Grafik zum pflanzenverfügbaren Wasser beschreibt die tagesaktuelle Bodenfeuchte anhand der nutzbaren Feldkapazität (nFK in %). (Quelle: UFZ-Dürremonitor/ Helmholtz-Zentrum für Umweltforschung (https://www.ufz.de/index.php?de=37937)).

Dürrezustand: Bodenfeuchte von weiß= keine bis leichte Trockenheit, gelb= ungewöhnlich trocken bis dunkelrot = außergewöhnliche Dürre" und "Pflanzenverfügbares Wasser: nutzbare Feldkapazität (nFK) von rot = Welkepunkt über gelb = Trockenstress bis dunkelblau = vollständige Sättigung bis Übersättigung

Hinweis: Der UFZ-Dürremonitor vergleicht die aktuelle Bodenfeuchte (Mittelwert der letzten 30 Tage) mit den Werten im Vergleichszeitraum 1951-2015 und ordnet diese relativ ein.
Aktuelle Bodenfeuchte < 30 % aller Jahre = ungewöhnliche Trockenheit, < 20 % aller Jahre = moderate Dürre, < 10 % aller Jahre = schwere Dürre, < 5 % aller Jahre = extreme Dürre, < 2 % aller Jahre = außergewöhnliche Dürre
Der UFZ-Dürremonitor trifft keine Aussage über das absolut im Boden verfügbare Wasser. Eine Aussage über die resultierende Grundwasserneubildung kann daraus nicht abgeleitet werden.

Grundwasser

Im Oktober 2024 befinden sich die Grundwasserstände weiterhin auf einem hohen Niveau.

Aufgrund rückgängiger Vegetation und fallender Temperaturen sind im Oktober im Vergleich zum Vormonat überwiegend steigende Grundwasserstände (=GW-Stände) zu beobachten. Wegen der deutlich überdurchschnittlichen Niederschlagsmengen im vergangenen hydrologischen Winterhalbjahr (Nov. bis Apr.) und zu Beginn des Sommerhalbjahres (Mai bis Okt.) liegen die GW-Stände unter Berücksichtigung der Jahreszeit zudem weiterhin auf einem hohen Niveau.

Die aktuellen GW-Stände im Oktober lassen sich, im Vergleich zu den langjährigen Beobachtungen für diesen Monat, wie folgt einordnen: 

  • In über der Hälfte (rd. 57 %) der Grundwassermessstellen (GWM) in NRW liegen die GW-Stände im mittleren Bereich. Im Vergleich zum Vormonat (rd. 58 %) ist dieser Anteil nahezu konstant geblieben.
  • Der Anteil der GWM mit hohen bis sehr hohen GW-Ständen ist auf rd. 36 % leicht gestiegen (Vormonat rd. 33 %). Davon wurde in rd. 13 % der GWM ein absoluter Maximalwert für diesen Monat gemessen (Vormonat: rd. 14 %).
  • Der Anteil der GWM mit sehr niedrigen bis niedrigen GW-Ständen (inkl. abs. Minima) ist im Vergleich zum Vormonat (rd. 9 %) auf rd. 7 % geringfügig gesunken.

Anhand der Entwicklung der GW-Stände sind weiterhin die Auswirkungen des nassesten hydrologischen Jahres seit Beginn der Aufzeichnungen erkennbar. Insbesondere infolge des niederschlagsreichsten hydrologischen Winterhalbjahres (Nov. 2023 bis April 2024) seit Beginn der Aufzeichnungen ist der Anteil niedriger bis sehr niedriger GW-Stände zum Ende des Jahres 2023 deutlich gesunken und verharrt seit Beginn des Jahres auf einem niedrigen Niveau. Demgegenüber steht ein Anstieg der GWM mit hohen bis sehr hohen GW-Ständen mit einem Spitzenwert Ende Januar 2024. Seit Februar 2024 ist eine tendenzielle Verschiebung von hohen bis sehr hohen GW-Ständen hin zu mittleren GW-Ständen erkennbar. Der Anteil niedriger bis sehr niedriger GW-Stände verharrt dabei unterhalb von 10 %.

Im kommenden Monat sind die Voraussetzungen für die Grundwasserneubildung zu Beginn des neuen hydrologischen Jahres 2025 aufgrund rückgängiger Vegetation, fallender Temperaturen und größtenteils hoher Bodensättigung grundsätzlich günstig. Die regionale Grundwasserstandsentwicklung hängt jedoch maßgeblich von den Witterungsverhältnissen und den hydrogeologischen Gegebenheiten ab. Weiterführende Informationen zur prognostizierten überregionalen Entwicklung der Grundwasserstände liefert die Fachanwendung GRUVO der Bundeanstalt für Geowisschenschaften und Rohstoffe (https://gruvo.bgr.de/website/index.php).

Hinweis: Im Zuge der Auswertung der Grundwasserstände wurden für jede Grundwassermessstelle die aktuellen Messwerte des Auswertemonats mit allen für die Messtelle zur Verfügung stehenden Messungen im Auswertemonat verglichen und klassifiziert. Bei den o.g. Auswertungen handelt es sich um eine rein statistische relative Bewertung. Sehr niedrige oder Minimalgrundwasserstände sind nicht gleichzusetzen mit einem Mangel der Ressource Grundwasser. 

Fließgewässer

Im Oktober kurzzeitige, vereinzelte Informationswertüberschreitungen. Wasserstände aktuell im mittleren Niedrig- bis Mittelwasser-Bereich.

  • Im Oktober wurden infolge einer Dauerregenlage an zwei Hochwassermeldepegeln in NRW in den Einzugsgebeiten von Lippe und Rur kurzzeitig eine Überschreitung des Informationswertes 1 bzw. 2 beobachtet. Hierzu wurden vier hydrologische Lageberichte erstellt. 
  • Ende Oktober liegt in keinem der Einzugsgebiete in NRW eine Hochwassersituation vor.
  • An rd. einem Viertel der Pegel an den Gewässern in NRW sind die Wasserstände Ende Oktober als niedrig (vereinzelt sehr niedrig bzw. absolutes Minimum) einzuordnen. Die übrigen Gewässer befinden sich im Wesentlichen im Bereich zwischen mittlerem Niedrigwasser und Mittelwasser.  
  • Rhein
    Derzeit befinden sich die Rhein-Wasserstände in NRW im Bereich zwischen mittlerem Niedrigwasser und Mittelwasser. Für die erste Novemberhälfte werden leicht sinkende Wasserstände vorhergesagt.
    Quellen: 14-Tage- und 6-Wochen-Vorhersagen der Wasserstraßen- und Schifffahrtsverwaltung des Bundes vom 06.11.2024.
  • Weser
    Die Wasserstände an den Weser-Pegelnin NRW befinden sich ebenfalls im Bereich zwischen mittlerem Niedrigwasser und Mittelwasser. Für die erste Novemberhälfte werden ebenfalls leicht sinkende Wasserstände vorhergesagt.
    Aktuelle Messwerte des NLWKN: NLWKN Pegelonline niedersachsen.de

Talsperren

Die Talsperrenfüllstände befinden sich unter Berücksichtigung der Jahreszeit weiterhin auf einem hohem Niveau.

An den Talsperren in NRW sind von Mai 2024 erwartungsgemäß jahreszeitlich- und betriebsbedingt fallende Wasserstände zu beobachten. Infolge der deutlich überdurchschnittlichen Niederschlagsraten zu Beginn des hydrologischen Sommerhalbjahres 2024 sind die Füllstände im weiteren Verlauf relativ langsam gesunken. Daher befinden sich die Stauinhalte der Talsperren in NRW Ende Oktober mit rd. 73 % (Stand: 30.10.2024) unter Berücksichtigung der Jahreszeit weiterhin auf einem hohen Niveau.

Differenziert nach Einzugsgebieten stellt sich die Situation der Talperrenfüllstände wie folgt dar (Stand: 30.10.24):

  • Ruhr-Talsperren: Füllstand ca. 77 % (Vormonat: 78 %), Tendenz fallend.
  • Rur-Talsperren: Füllstand ca. 65 % (Vormonat: 64 %), Tendenz fallend.
  • Sieg-Talsperren: Füllstand ca. 71 % (Vormonat: 72 %), Tendenz fallend.
  • Wupper-Talsperren: Füllstand ca. 79 % (Vormonat: 79 %), Tendenz fallend. 

Die Talsperren befinden sich im Wesentlichen im Normalbetrieb gemäß des jahreszeitlichen Betriebsplans.
(Im Herbst werden zum Schutz vor Winter-Hochwasserereignissen in den Talsperren Hochwasserrückhalteräume geschaffen. Dies kann zu einem betriebsbedingten Absinken der Stauhöhen in den Talsperren in Verbindung mit erhöhten Abgaben in die Gewässer führen. Mit Hilfe der Hochwasserrückhalteräume können durch das erhöhte Speicherpotenzial Hochwasserspitzen in den abstromigen Gewässern abgemindert werden.)

Ausblick

Witterungsvorhersage des Deutschen Wetterdienstes vom 06.11.2024 für den Zeitraum vom 11.11. bis 08.12.2024 

Datenquellen

Deutscher Wetterdienst

UFZ-Helmholtz-Zentrum für Umweltforschung

Wasserstraßen- und Schifffahrtsverwaltung des Bundes

Wasserverbände NRW

LANUV NRW

Bei den verwendeten Daten handelt es sich teilweise um automatisch validierte Messdaten. Sie entsprechen dem Kenntnisstand zum Zeitpunkt der Veröffentlichung. Hydrologische und meteorologische Daten können sich aufgrund von neuen Erkenntnissen, erweiterten Prüfungen oder veränderten Berechnungsverfahren ändern.

Weiterführende Daten und Informationen des LANUV:

Hochwasserinformationen und Lageberichte bei Hochwassergefahr

ELWAS-Web (Elektronisches wasserwirtschaftliches Verbundsystem der Wasserwirtschaftsverwaltung NRW) mit umfassenden geprüften Fachdaten zu den Fachthemen Abwasser, Grundwasser, Oberflächengewässer, Trinkwasser und zur Wasserrahmenrichtlinie

Klimaatlas NRW mit Daten des UFZ-Dürremonitors sowie weiteren, umfangreichen Informationen zum Klima und seiner Entwicklung in Nordrhein-Westfalen

Fachanwendung GRUVO der BGR  Bundesweite Grundwasserstände und Vorhersagen

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