Hydrologischer Status NRW zum 31.12.2024

07. Januar 2025

Niederschlag

Überdurchschnittlicher Niederschlag im Dezember

  • Im Dezember 2024 sind in NRW im Gebietsmittel rd. 73 mm Niederschlag gefallen, was einem Niederschlagsdefizit von rd. 10 % im Vergleich zum langjährigen Mittelwert (Betrachtungszeitraum: 1881-heute) entspricht. 
  • Zeitlich lagen die Niederschlagsschwerpunkte im Wesentlichen in der ersten Monatswoche sowie in der Woche vor den Weihnachtsfeiertagen.
  • In den letzten 12 Monaten sind rd. 1.028 mm Niederschlag gefallen, wodurch sich im Vergleich zum langjährigen Mittel ein Gesamtüberschuss von rd. +180 mm für diesen Zeitraum ergibt. Dies entspricht einer relativen Abweichung von rd. +21 % gegenüber dem langjährigen Durchschnittswert.
  • Die relativen Abweichungen der letzten Jahre für den identischen Zeitraum betrugen zum Vergleich:
    • Januar 2017 - Dezember 2018    -27,1 %
    • Januar 2018 – Dezember 2019    +3,9 %
    • Januar 2019 – Dezember 2020    -12,5 %
    • Januar 2020 – Dezember 2021    +0,8 %
    • Januar 2021 – Dezember 2022    -15,6 %
    • Januar 2022 – Dezember 2023    +41,3 %
    • Januar 2023 – Dezember 2024  +21,3%

Übersicht über die Niederschläge der letzten 12 Monate (Datenquellen: DWD, LANUV; Stand: 07.01.25)

Boden

Im Dezember keine Dürreerscheinungen in den Böden in NRW.

  • Im Dezember weisen die Böden (Oberboden und Gesamtboden), verglichen mit den langjährigen Bodenfeuchtegehalten (Bezugszeitraum 1951 bis 2015), keine Dürreerscheinungen auf.
  • Das aktuell pflanzenverfügbare Wasser in NRW, abgeleitet aus der nutzbaren Feldkapazität (=nFK in %), liegt im Wesentlichen zwischen 90 und 110 %. Bei einer nFK von 100 % haben die Böden ihre maximale Wassermenge erreicht, die sie längerfristig gegen die Schwerkraft zurückhalten können. Ab einer nFK > 100% versickert das überschüssige Wasser demnach in tiefere Schichten und sorgt bei erreichen der Grundwasseroberfläche für Grundwasserneubildung. 
  • Die folgenden Grafiken zum Dürrezustand des Bodens zeigen die gemittelte Bodenfeuchte der letzten 30 Tage eingeordnet anhand des Bodenfeuchteindex (SMI) für den Gesamtboden und den Oberboden. Die Grafik zum pflanzenverfügbaren Wasser beschreibt die tagesaktuelle Bodenfeuchte anhand der nutzbaren Feldkapazität (nFK in %). (Quelle: UFZ-Dürremonitor/ Helmholtz-Zentrum für Umweltforschung (https://www.ufz.de/index.php?de=37937)).

Dürrezustand: Bodenfeuchte von weiß= keine bis leichte Trockenheit, gelb= ungewöhnlich trocken bis dunkelrot = außergewöhnliche Dürre" und "Pflanzenverfügbares Wasser: nutzbare Feldkapazität (nFK) von rot = Welkepunkt über gelb = Trockenstress bis dunkelblau = vollständige Sättigung bis Übersättigung

Hinweis: Der UFZ-Dürremonitor vergleicht die aktuelle Bodenfeuchte (Mittelwert der letzten 30 Tage) mit den Werten im Vergleichszeitraum 1951-2015 und ordnet diese relativ ein.
Aktuelle Bodenfeuchte < 30 % aller Jahre = ungewöhnliche Trockenheit, < 20 % aller Jahre = moderate Dürre, < 10 % aller Jahre = schwere Dürre, < 5 % aller Jahre = extreme Dürre, < 2 % aller Jahre = außergewöhnliche Dürre
Der UFZ-Dürremonitor trifft keine Aussage über das absolut im Boden verfügbare Wasser. Eine Aussage über die resultierende Grundwasserneubildung kann daraus nicht abgeleitet werden.

Grundwasser

Im Dezember 2024 befinden sich die Grundwasserstände weiterhin auf einem hohen Niveau.

Im Vergleich zum Vormonat sind die Grundwasserstände (GW-Stände) im Dezember 2024 im Wesentlichen angestiegen und befinden sich unter Berücksichtigung der Jahreszeit weiterhin auf einem hohen Niveau. Aufgrund der hohen Bodensättigung in Verbindung mit einer niedrigen Evapotranspiration kommt ein großer Teil des Niederschlagswassers der Grundwasserneubildung zugute.  

Die aktuellen GW-Stände im Dezember lassen sich, im Vergleich zu den langjährigen Beobachtungen für diesen Monat, wie folgt einordnen: 

  • Über die Hälfte (rd. 58 %) der Grundwassermessstellen (GWM) in NRW liegen die GW-Stände im mittleren Bereich. Im Vergleich zum Vormonat (rd. 67 %) ist dieser Anteil deutlich gesunken.
  • Demgegenüber steht eine deutliche Zunahme der GWM mit hohen bis sehr hohen GW-Ständen auf rd. 37 % (Vormonat rd. 24 %). Davon wurde in rd. 10 % der GWM ein absoluter Maximalwert für diesen Monat gemessen (Vormonat: rd. 9 %).
  • Der Anteil der GWM mit sehr niedrigen bis niedrigen GW-Ständen (inkl. abs. Minima) ist im Vergleich zum Vormonat (rd. 9 %) auf rd. 5 % gesunken.

Anhand der Entwicklung der GW-Stände sind weiterhin die Auswirkungen des nassesten hydrologischen Jahres seit Beginn der Aufzeichnungen erkennbar. Insbesondere infolge des niederschlagsreichsten hydrologischen Winterhalbjahres (Nov. 2023 bis April 2024) seit Beginn der Aufzeichnungen ist der Anteil niedriger bis sehr niedriger GW-Stände zum Ende des Jahres 2023 deutlich gesunken und verharrt seit Beginn des Jahres 2024 auf einem niedrigen Niveau. Demgegenüber steht ein Anstieg der GWM mit hohen bis sehr hohen GW-Ständen mit einem Höchstwert Ende Januar 2024. Seit Februar 2024 ist eine tendenzielle Verschiebung von hohen bis sehr hohen GW-Ständen hin zu mittleren GW-Ständen erkennbar. Der Anteil niedriger bis sehr niedriger GW-Stände liegt dabei konstant unterhalb von 10 %.

Im kommenden Monat sind die Voraussetzungen für Grundwasserneubildung aufgrund ruhender Vegetation, niedriger Temperaturen und hoher Bodensättigung grundsätzlich günstig. Die regionale Grundwasserstandsentwicklung hängt jedoch maßgeblich von den Witterungsverhältnissen und den hydrogeologischen Gegebenheiten ab. Weiterführende Informationen zur prognostizierten überregionalen Entwicklung der Grundwasserstände liefert die Fachanwendung GRUVO der Bundeanstalt für Geowissenschaften und Rohstoffe (https://gruvo.bgr.de/website/index.php).

Hinweis: Im Zuge der Auswertung der Grundwasserstände wurden für jede Grundwassermessstelle die aktuellen Messwerte des Auswertemonats mit allen für die Messtelle zur Verfügung stehenden Messungen im Auswertemonat verglichen und klassifiziert. Bei den o.g. Auswertungen handelt es sich um eine rein statistische relative Bewertung. Sehr niedrige oder Minimalgrundwasserstände sind nicht gleichzusetzen mit einem Mangel der Ressource Grundwasser. 

Fließgewässer

Im Dezember kurzzeitige, vereinzelte Informationswertüberschreitungen. Wasserstände Ende Dezember hauptsächlich oberhalb des Mittelwasser-Bereichs.

  • Im Dezember wurden infolge von Dauerregen in Verbindung mit Gewittern an vereinzelten Hochwassermeldepegeln in NRW in den Einzugsgebieten von Diemel, Ems, Issel, Berkel, Vechte, Lippe,  Ruhr, Rur und Sieg kurzzeitig eine Überschreitung von Informationswerten beobachtet. Hierzu wurden fünf hydrologische Lageberichte erstellt. 
  • Ende Dezember lag in keinem der Einzugsgebiete in NRW eine Hochwassersituation vor.
  • An rd. 11 % der Pegel in NRW sind die Wasserstände Ende Dezember als niedrig (vereinzelt sehr niedrig) einzuordnen. Die übrigen Gewässer befinden sich im Wesentlichen im Bereich oberhalb des Mittelwassers. 
  • Rhein
    Derzeit befinden sich die Rhein-Wasserstände in NRW im Bereich oberhalb des Mittelwassers. Für die erste Januarhälfte werden steigende  Wasserstände bis in den Bereich des Informationswertes 1 vorhergesagt.
    Quellen: 14-Tage- und 6-Wochen-Vorhersagen der Wasserstraßen- und Schifffahrtsverwaltung des Bundes vom 06.01.2025.
  • Weser
    Die Wasserstände an den Weser-Pegeln in NRW befinden sich im Bereich oberhalb des Mittelwassers. Für die erste Januarhälfte werden Wasserstände bis in den Bereich der Meldestufe 1 vorhergesagt.
    Aktuelle Messwerte des NLWKN: NLWKN Pegelonline niedersachsen.de, Wasserstandsvorhersage des Wasserstraßen- und Schifffahrtsamtes Weser:https://www.wsa-weser.wsv.de). 

Talsperren

Die Talsperrenfüllstände befinden sich unter Berücksichtigung von Jahreszeit und Hochwasserschutzvorsorge weiterhin auf einem hohen Niveau.

An den Talsperren in NRW ist seit Beginn des hydrologischen Jahres 2025 (01.11.24) insgesamt ein steigender Trend zu beobachten. Dies ist insbesondere auf die Talsperrensysteme in den Einzugsgebieten von Ruhr und Sieg zurückzuführen, deren Stauinhalte sich deutlich erhöht haben. Infolge der deutlich überdurchschnittlichen Niederschlagsmengen während des hydrologischen Jahres 2024 befinden sich die Stauinhalte der Talsperren in NRW Ende Dezember mit rd. 78 % (Stand: 31.12.2024) unter Berücksichtigung der Jahreszeit und der Hochwasserschutzvorsorge weiterhin auf einem hohen Niveau.

Differenziert nach Einzugsgebieten stellt sich die Situation der Talsperrenfüllstände wie folgt dar (Stand: 31.12.24):

  • Ruhr-Talsperren: Füllstand ca. 85 %, steigende Tendenz im Vergleich zum Vormonat (81 %)
  • Rur-Talsperren: Füllstand ca. 66 %, Tendenz im Vergleich zum Vormonat gleichbleibend (66 %)
  • Sieg-Talsperren: Füllstand ca. 80 %, steigende Tendenz im Vergleich zum Vormonat (73 %)
  • Wupper-Talsperren: Füllstand ca. 81 %, Tendenz im Vergleich zum Vormonat etwa gleichbleibend (80 %)

Die Talsperren befinden sich im Wesentlichen im Normalbetrieb gemäß des jahreszeitlichen Betriebsplans.

(Im Winter werden zum Schutz vor Winter-Hochwasserereignissen in den Talsperren Hochwasserrückhalteräume vorgehalten. Dies kann zu einem betriebsbedingten Absinken der Stauhöhen in den Talsperren in Verbindung mit erhöhten Abgaben in die Gewässer führen. Mit Hilfe der Hochwasserrückhalteräume können durch das erhöhte Speicherpotenzial Hochwasserspitzen in den abstromigen Gewässern abgemindert werden.)

Ausblick

Witterungsvorhersage des Deutschen Wetterdienstes vom 06.01.2025 für den Zeitraum vom 13.01. bis 09.02.2025

Datenquellen

Deutscher Wetterdienst

UFZ-Helmholtz-Zentrum für Umweltforschung

Wasserstraßen- und Schifffahrtsverwaltung des Bundes

Wasserverbände NRW

LANUV NRW

Fachanwendung GRUVO der BGR

Bei den verwendeten Daten handelt es sich teilweise um automatisch validierte Messdaten. Sie entsprechen dem Kenntnisstand zum Zeitpunkt der Veröffentlichung. Hydrologische und meteorologische Daten können sich aufgrund von neuen Erkenntnissen, erweiterten Prüfungen oder veränderten Berechnungsverfahren ändern.

Weiterführende Daten und Informationen des LANUV:

Hochwasserinformationen und Lageberichte bei Hochwassergefahr

ELWAS-Web (Elektronisches wasserwirtschaftliches Verbundsystem der Wasserwirtschaftsverwaltung NRW) mit umfassenden geprüften Fachdaten zu den Fachthemen Abwasser, Grundwasser, Oberflächengewässer, Trinkwasser und zur Wasserrahmenrichtlinie

Klimaatlas NRW mit Daten des UFZ-Dürremonitors sowie weiteren, umfangreichen Informationen zum Klima und seiner Entwicklung in Nordrhein-Westfalen

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