Hydrologischer Status NRW zum 30.11.2024

06. Dezember 2024

Niederschlag

Überdurchschnittlicher Niederschlag im November

  • Im November 2024 sind in NRW im Gebietsmittel rd. 80 mm Niederschlag gefallen, was einem Niederschlagsüberschuss von rd. 11 % im Vergleich zum langjährigen Mittelwert (Betrachtungszeitraum: 1881-heute) entspricht. 
  • Zeitlich lagen die Niederschlagsschwerpunkte in der zweiten Monatshälfte.
  • In den letzten 12 Monaten sind rd. 1.116 mm Niederschlag gefallen, wodurch sich im Vergleich zum langjährigen Mittel ein Gesamtüberschuss von rd. +268 mm für diesen Zeitraum ergibt. Dies entspricht einer relativen Abweichung von rd. +32 % gegenüber dem langjährigen Durchschnittswert.
  • Die relativen Abweichungen der letzten Jahre für den identischen Zeitraum betrugen zum Vergleich:
    • Dezember 2017 - November 2018    -29,1 %
    • Dezember 2018 – November 2019    +1,2 %
    • Dezember 2019 – November 2020    -11,0 %
    • Dezember 2020 – November 2021    +0,2 %
    • Dezember 2021 – November 2022    -18,5 %
    • Dezember 2022 – November 2023    +32,5 %
    • Dezember 2023 – November 2024  +31,6%

Übersicht über die Niederschläge der letzten 12 Monate (Datenquellen: DWD, LANUV; Stand: 06.12.24)

  Dez 23Jan 24Feb 24Mrz 24Apr 24Mai 24Jun 24Jul 24Aug 24Sep 24Okt 24Nov 24
Monatlicher Niederschlagmm160,785,3103,866,286,1122,987,586,279,184,174,280,1
summiertmm160,7246,0349,8416,0502,1625,0712,5798,7877,8961,91036,11116,2
Mittel 1881-heutemm80,474,761,160,855,464,074,686,681,167,469,772,1
summiertmm80,4155,1216,2277,0332,4396,4471,0557,6638,8706,1775,8847,9

Überschuss / Defizit
pro Monat

mm+80,3+10,6+42,7+5,4+30,7+58,9+12,9-0,4-2,0+16,7+4,5+8,0
%+99,9%+14,1%+69,9%+8,8%+55,5%+92,1%+17,2%-0,5%-2,5%+24,9%+6,5%+11,1%

Überschuss / Defizit
seit Anfang Dezember 2023

mm+80,3+90,9+133,6+139,0+169,7+228,6+241,5+241,1+239,0+255,8+260,3+268,3
%+99,9%+58,6%+61,8%+50,2%+51,0%+57,7%+51,3%+43,2%+37,4%+36,2%+33,5%+31,6%

Boden

Keine signifikanten Dürreerscheinungen in den Böden in NRW.

  • Im November weisen die Böden (Oberboden und Gesamtboden), verglichen mit den langjährigen Bodenfeuchtegehalten (Bezugszeitraum 1951 bis 2015), keine signifikanten Dürreerscheinungen auf.
  • Das aktuell pflanzenverfügbare Wasser in NRW, abgeleitet aus der nutzbaren Feldkapazität (=nFK in %), liegt im Wesentlichen zwischen 90 und 110 %, Bei 100 % haben die Böden ihre maximale Wassermenge erreicht, die sie längerfristig gegen die Schwerkraft zurückhalten können. Ab einer nFK > 100% versickert das überschüssige Wasser demnach in den Untergrund sorgt für Grundwasserneubildung. 
  • Die folgenden Grafiken zum Dürrezustand des Bodens zeigen die gemittelte Bodenfeuchte der letzten 30 Tage eingeordnet anhand des Bodenfeuchteindex (SMI) für den Gesamtboden und den Oberboden. Die Grafik zum pflanzenverfügbaren Wasser beschreibt die tagesaktuelle Bodenfeuchte anhand der nutzbaren Feldkapazität (nFK in %). (Quelle: UFZ-Dürremonitor/ Helmholtz-Zentrum für Umweltforschung (https://www.ufz.de/index.php?de=37937)).

Dürrezustand: Bodenfeuchte von weiß= keine bis leichte Trockenheit, gelb= ungewöhnlich trocken bis dunkelrot = außergewöhnliche Dürre" und "Pflanzenverfügbares Wasser: nutzbare Feldkapazität (nFK) von rot = Welkepunkt über gelb = Trockenstress bis dunkelblau = vollständige Sättigung bis Übersättigung

Hinweis: Der UFZ-Dürremonitor vergleicht die aktuelle Bodenfeuchte (Mittelwert der letzten 30 Tage) mit den Werten im Vergleichszeitraum 1951-2015 und ordnet diese relativ ein.
Aktuelle Bodenfeuchte < 30 % aller Jahre = ungewöhnliche Trockenheit, < 20 % aller Jahre = moderate Dürre, < 10 % aller Jahre = schwere Dürre, < 5 % aller Jahre = extreme Dürre, < 2 % aller Jahre = außergewöhnliche Dürre
Der UFZ-Dürremonitor trifft keine Aussage über das absolut im Boden verfügbare Wasser. Eine Aussage über die resultierende Grundwasserneubildung kann daraus nicht abgeleitet werden.

Grundwasser

Im November 2024 befinden sich die Grundwasserstände weiterhin auf einem hohen Niveau.

Wegen der deutlich überdurchschnittlichen Niederschlagsmengen im vergangenen hydrologischen Jahr 2024 liegen die Grundwasserstände (GW-Stände) unter Berücksichtigung der Jahreszeit auch zu Beginn des hydrologischen Jahres 2025 weiterhin auf einem hohen Niveau. Als Folge der gesunkenen Evapotranspiration und in Verbindung mit gesättigten Böden kann ein Großteil des Niederschlagswassers versickern und kommt dem Grundwasser zugute. 

Die aktuellen GW-Stände im November lassen sich, im Vergleich zu den langjährigen Beobachtungen für diesen Monat, wie folgt einordnen: 

  • In rund zwei Drittel (rd. 67 %) der Grundwassermessstellen (GWM) in NRW liegen die GW-Stände im mittleren Bereich. Im Vergleich zum Vormonat (rd. 57 %) ist dieser Anteil deutlich gestiegen.
  • Demgegenüber steht eine deutliche Abnahme der GWM mit hohen bis sehr hohen GW-Ständen auf rd. 24 % (Vormonat rd. 36 %). Davon wurde in rd. 9 % der GWM ein absoluter Maximalwert für diesen Monat gemessen (Vormonat: rd. 13 %).
  • Der Anteil der GWM mit sehr niedrigen bis niedrigen GW-Ständen (inkl. abs. Minima) ist im Vergleich zum Vormonat (rd. 7 %) auf rd. 9 % geringfügig gestiegen.

Anhand der Entwicklung der GW-Stände sind weiterhin die Auswirkungen des nassesten hydrologischen Jahres seit Beginn der Aufzeichnungen erkennbar. Insbesondere infolge des niederschlagsreichsten hydrologischen Winterhalbjahres (Nov. 2023 bis April 2024) seit Beginn der Aufzeichnungen ist der Anteil niedriger bis sehr niedriger GW-Stände zum Ende des Jahres 2023 deutlich gesunken und verharrt seit Beginn des Jahres 2024 auf einem niedrigen Niveau. Demgegenüber steht ein Anstieg der GWM mit hohen bis sehr hohen GW-Ständen mit einem Höchstwert Ende Januar 2024. Seit Februar 2024 ist eine tendenzielle Verschiebung von hohen bis sehr hohen GW-Ständen hin zu mittleren GW-Ständen erkennbar. Der Anteil niedriger bis sehr niedriger GW-Stände liegt dabei konstant unterhalb von 10 %.

Im kommenden Monat sind die Voraussetzungen für Grundwasserneubildung aufgrund ruhender Vegetation, niedriger Temperaturen und hoher Bodensättigung grundsätzlich günstig. Die regionale Grundwasserstandsentwicklung hängt jedoch maßgeblich von den Witterungsverhältnissen und den hydrogeologischen Gegebenheiten ab. Weiterführende Informationen zur prognostizierten überregionalen Entwicklung der Grundwasserstände liefert die Fachanwendung GRUVO der Bundeanstalt für Geowissenschaften und Rohstoffe (https://gruvo.bgr.de/website/index.php).

Hinweis: Im Zuge der Auswertung der Grundwasserstände wurden für jede Grundwassermessstelle die aktuellen Messwerte des Auswertemonats mit allen für die Messtelle zur Verfügung stehenden Messungen im Auswertemonat verglichen und klassifiziert. Bei den o.g. Auswertungen handelt es sich um eine rein statistische relative Bewertung. Sehr niedrige oder Minimalgrundwasserstände sind nicht gleichzusetzen mit einem Mangel der Ressource Grundwasser. 

Fließgewässer

Im November kurzzeitige, vereinzelte Informationswertüberschreitungen. Wasserstände aktuell im mittleren Niedrig- bis Mittelwasser-Bereich.

  • Im November wurden infolge einer Dauerregenlage in Verbindung mit vereinzelten Gewittern an vereinzelten Hochwassermeldepegeln in NRW in den Einzugsgebieten von Sieg, Ruhr, Lippe und Ems kurzzeitig eine Überschreitung von Informationswerten beobachtet. Hierzu wurden vier hydrologische Lageberichte erstellt. 
  • Ende November lag in keinem der Einzugsgebiete in NRW eine Hochwassersituation vor.
  • An rd. 13 % der Pegel, insbesondere an den kleineren Gewässern, in NRW sind die Wasserstände Ende November als niedrig (vereinzelt sehr niedrig bzw. absolutes Minimum) einzuordnen. Die übrigen Gewässer befinden sich im Wesentlichen im Bereich oberhalb des Mittelwassers. 
  • Rhein
    Derzeit befinden sich die Rhein-Wasserstände in NRW im Bereich des Mittelwassers. Für die erste Dezemberhälfte werden Wasserstände oberhalb des Mittelwassers aber deutlich unterhalb von Meldestufen vorhergesagt.
    Quellen: 14-Tage- und 6-Wochen-Vorhersagen der Wasserstraßen- und Schifffahrtsverwaltung des Bundes vom 06.12.2024.
  • Weser
    Die Wasserstände an den Weser-Pegeln in NRW befinden sich im Bereich des Mittelwassers. Für die erste Dezemberhälfte werden Wasserstände oberhalb des Mittelwassers aber deutlich unterhalb von Meldestufen vorhergesagt.
    Aktuelle Messwerte des NLWKN: NLWKN Pegelonline niedersachsen.de

Talsperren

Die Talsperrenfüllstände befinden sich unter Berücksichtigung von Jahreszeit und Hochwasserschutz weiterhin auf einem hohen Niveau.

An den Talsperren in NRW sind in letzten Monaten im Wesentlichen u.a. betriebsbedingt stagnierende Füllstände zu beobachten, da im Rahmen des Hochwasserschutzes Hochwasserrückhalteräume vorgehalten werden. Infolge der deutlich überdurchschnittlichen Niederschlagsmengen während des hydrologischen Jahres 2024 befinden sich die Stauinhalte der Talsperren in NRW Ende November mit rd. 76 % (Stand: 30.11.2024) unter Berücksichtigung der Jahreszeit weiterhin auf einem hohen Niveau.

Differenziert nach Einzugsgebieten stellt sich die Situation der Talperrenfüllstände wie folgt dar (Stand: 30.11.24):

  • Ruhr-Talsperren: Füllstand ca. 81 % (Vormonat: 77 %), Tendenz gleichbleibend.
  • Rur-Talsperren: Füllstand ca. 66 % (Vormonat: 65 %), Tendenz gleichbleibend.
  • Sieg-Talsperren: Füllstand ca. 73 % (Vormonat: 71 %), Tendenz fallend.
  • Wupper-Talsperren: Füllstand ca. 80 % (Vormonat: 79 %), Tendenz gleichbleibend

Die Talsperren befinden sich im Wesentlichen im Normalbetrieb gemäß des jahreszeitlichen Betriebsplans.

(Im Winter werden zum Schutz vor Winter-Hochwasserereignissen in den Talsperren Hochwasserrückhalteräume vorgehalten. Dies kann zu einem betriebsbedingten Absinken der Stauhöhen in den Talsperren in Verbindung mit erhöhten Abgaben in die Gewässer führen. Mit Hilfe der Hochwasserrückhalteräume können durch das erhöhte Speicherpotenzial Hochwasserspitzen in den abstromigen Gewässern abgemindert werden.)

Ausblick

Witterungsvorhersage des Deutschen Wetterdienstes vom 02.12.2024 für den Zeitraum vom 09.12. bis 05.01.2025

Datenquellen

Deutscher Wetterdienst

UFZ-Helmholtz-Zentrum für Umweltforschung

Wasserstraßen- und Schifffahrtsverwaltung des Bundes

Wasserverbände NRW

LANUV NRW

Bei den verwendeten Daten handelt es sich teilweise um automatisch validierte Messdaten. Sie entsprechen dem Kenntnisstand zum Zeitpunkt der Veröffentlichung. Hydrologische und meteorologische Daten können sich aufgrund von neuen Erkenntnissen, erweiterten Prüfungen oder veränderten Berechnungsverfahren ändern.

Weiterführende Daten und Informationen des LANUV:

Hochwasserinformationen und Lageberichte bei Hochwassergefahr

ELWAS-Web (Elektronisches wasserwirtschaftliches Verbundsystem der Wasserwirtschaftsverwaltung NRW) mit umfassenden geprüften Fachdaten zu den Fachthemen Abwasser, Grundwasser, Oberflächengewässer, Trinkwasser und zur Wasserrahmenrichtlinie

Klimaatlas NRW mit Daten des UFZ-Dürremonitors sowie weiteren, umfangreichen Informationen zum Klima und seiner Entwicklung in Nordrhein-Westfalen

Fachanwendung GRUVO der BGR  Bundesweite Grundwasserstände und Vorhersagen

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