Eine Kernaufgabe des LANUV ist die Überwachung der Umweltqualität zum Schutz der Bevölkerung. Unerlässliches Fundament dafür sind die Messprogramme, die das LANUV dauerhaft betreibt. Jannis Krause nimmt uns mit und zeigt, wie und warum er Proben aus Gewässern, Kläranlagen und Industriebetrieben im Münsterland nimmt.
Draußen vor dem Flachbau des LANUV-Stützpunkts Münster zwitschern bei Sonnenaufgang gegen halb sieben lautstark die Vögel, drinnen beginnt Jannis Krause gewissenhaft sein Tagwerk. Der LANUV-Probenehmer kalibriert Messgeräte zur präzisen Messung von pH-Wert, Leitfähigkeit, Sauerstoffgehalt und Temperatur, packt Probebehälter in Kühlboxen und lädt diese in den Transporter, auf dem das Landeswappen prangt. Danach steigt er ein, startet seine Spotify-Playlist und reiht sich in den morgendlichen Berufsverkehr ein. Auf Krauses Aufgabenliste stehen der Besuch eines Oberflächengewässers, einer Kläranlage und eines Industriebetriebs – Routinebesuche für den 28-Jährigen, der seit 2018 am LANUV arbeitet.
„Jeden Morgen muss ich mich auf die im Tagesablauf anstehenden Probenahmen einstellen. Nur mit der richtigen Vorbereitung können die Proben fachgerecht eingeholt und weiterverarbeitet werden.“
Jannis Krause, Probenehmer
Jannis Krause ist einer von drei Probenehmern am Stützpunkt Münster, die in der Region 106 Oberflächengewässer, 66 kommunale Kläranlagen, 22 Industriebetriebe und 194 Grundwasserprobestellen betreuen. Insgesamt kontrolliert das LANUV im Bereich der Abwasserüberwachung landesweit etwa 2.600 Messstellen. Pro Jahr entnehmen die rund 100 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter des Fachbereichs „Probenahmemanagement“ mehr als 15.000 Proben, auch in Zeiten einer Pandemie. „Jede einzelne Probe muss repräsentativ sein und methodisch richtig genommen werden. Damit bildet die qualifizierte Probenahme die wesentliche Voraussetzung für valide Analyseergebnisse“, erklärt Dr. Klaus Furtmann, Leiter der Abteilung „Zentrale Umweltanalytik“ am LANUV. „Anhand der Untersuchung von jährlich etwa 3.000 Proben aus Oberflächengewässern wird die Entwicklung der Gewässer mit dem Ziel eines landesweit guten Gewässerzustands, also sauberen Gewässern, verfolgt. Grundlage hierfür ist die EG-Wasserrahmenrichtlinie, die auch das Grundwasser in den Blick nimmt“, sagt er. Nach der Bewertung der Ergebnisse aus etwa 1.500 Grundwasserprobenahmen zeigt sich, dass trotz der Verbesserungen gegenüber der Vorperiode noch viele Grundwasserkörper wegen Nitrat im schlechten Zustand sind.
Eine Stunde später verlässt Jannis Krause die Landstraße, über Feldwege geht es vorbei an Erdbeerfeldern, Fasanen und Feldhasen in Richtung der Ems. In der Nähe der Stadt Greven lenkt er sein Fahrzeug zur Messstelle „E12 oh Werse“ mit der Nummer 803194. Sie ist Teil der Gewässerüberwachung, die das LANUV im Rahmen der EG-Wasserrahmenrichtlinie vornimmt. Jannis Krause nimmt an dieser Stelle Proben, damit später in den Laboren des LANUV analysiert werden kann, welche Stoffe sich in welchen Konzentrationen im Wasser befinden. Die Bandbreite der später durchgeführten Analysen reicht von Pflanzennährstoffen wie Nitrat und Phosphat über den DOC-Wert als Maß für den organisch gebundenen Kohlenstoff bis hin zu Glyphosat, Pestiziden, Schwermetallen und dem für Fische tödlichen Cyanid. Mit Hilfe dieser Untersuchungen beschreiben später die LANUV-Expertinnen und -Experten den ökologischen und chemischen Zustand des Gewässers.
Vier Mal pro Jahr steuern die Probenehmerinnen und Probenehmer immer die gleiche Stelle auf der Brücke über die Ems an. Von dort lässt Jannis Krause einen Eimer, den er davor sorgfältig mit Flusswasser ausgespült hat, in die Flussmitte gleiten und schöpft fünf Liter Wasser ab. Das weitere Vorgehen ist akkurat in einem Probenahmeprotokoll festgehalten, an das er sich strikt hält: Mal füllt er einen Liter Flusswasser in eine große Glasflasche für die spätere Ermittlung der polyzyklischen aromatischen Kohlenwasserstoffe (PAK), mal 250 Milliliter in eine Kunststoffflasche für die Pflanzennährstoffe, mal 250 Milliliter in eine Braunglasflasche, damit die organischen Substanzen bei UV-Licht nicht so schnell zerfallen. Ein weiteres Fläschchen für die Bestimmung des Phosphat-Gehalts muss er zudem mit Schwefelsäure mit einem pH-Wert kleiner als zwei ansäuern, ein anderes Behältnis mit der Probe für den TOC-Wert, also des organischen Kohlenstoffs, mit Salzsäure. Vorbereitet hat er am Morgen auch Etiketten, die er nun auf jede Flasche klebt. Sie sind unerlässlich, damit bei seiner Rückkehr ins Büro nichts durcheinandergerät, wenn er die Proben versandfertig macht.
Die Ems bei Greven ist die erste Probenahmestelle in Jannis Krauses Tagesablauf
Die einzelnen Arbeitsschritte der Probenahme sind in LANUV-Arbeitsanweisungen geregelt, die sich aus den entsprechenden ISO-Normen ableiten. Das schafft Verlässlichkeit. „Unser Anspruch ist: Das, was wir messen, ist auch wirklich so“, sagt Jannis Krause, der sich nach einer Ausbildung zur Fachkraft für Abwassertechnik zum Umweltschutztechniker weitergebildet hat. Die Präzision, mit der er Arbeitsanweisungen umsetzt, hat eine weitere wichtige Bedeutung: „Unsere Messungen müssen rechtssicher sein. Sie müssen auch vor Gericht Bestand haben, sollte zum Beispiel ein Unternehmen von uns gemessene Grenzwertüberschreitungen von bestimmten Stoffen anzweifeln“, sagt er. Möglichkeiten für etwaige Fehler gebe es bei der Probenahme genug: verunreinigte Geräte, unsauberes Hantieren, unsachgemäße Lagerung der Proben. Auch deswegen sind Exaktheit und Sauberkeit im Arbeitsalltag eines Probenehmers oder einer Probenehmerin eine Selbstverständlichkeit. Zudem füllt Jannis Krause für jeden Standort ein Probenahmeprotokoll aus, in dem er nicht nur Geruch oder Farbe der Probe festhält, sondern auch allgemeine Angaben zum Wetter, zur Wasserführung der Ems oder Auffälligkeiten wie Schaum oder Öl auf dem Gewässer notiert.
Zu Krauses Aufgabengebiet zählen aber nicht nur Oberflächengewässer wie die Ems, sondern auch Kläranlagen. Die weitaus größte in seinem Einzugsgebiet ist die Hauptkläranlage Münster, die der LANUV-Mann am späteren Vormittag anfährt. Auf der rund 14 Hektar großen Anlage haben die Betreiber der Kläranlage eine feste Messstation installiert, vor der Krause den Transporter parkt. Anders als an der Ems ist hier eine qualifizierte Stichprobe des gereinigten Abwassers vorgeschrieben, um so zufällige stoffliche Stoßbelastungen zu vermeiden. Dies bedeutet, dass er aus dem Messschacht mindestens fünf Mal alle zwei Minuten mit der Schöpfkelle eine volumengleiche Probe nimmt und das Wasser danach in einem Homogenisiergefäß mischt. Erst dann beginnt das Abfüllen in die jeweiligen Probebehälter, damit im Labor zum Beispiel die CSB- und TOC-Werte, Phosphat, Nitrat oder Ammonium ermittelt werden können. Der LANUV-Probenehmer arbeitet zügig sein Messprogramm ab, jeder Handgriff sitzt. „An den Abläufen beim Probenahmemanagement hat sich durch die Pandemie nichts geändert. Ich fahre wie immer regelmäßig raus und ziehe meine Proben. Allerdings trage ich zum Beispiel im Kontakt mit Mitarbeitern der Kläranlagen eine Maske, halte Abstand und vermeide Aufenthalte in geschlossenen Räumen“, sagt er.
Auch schlechtes Wetter kann Jannis Krause nicht aufhalten. Egal ob im Hochsommer, bei Schnee oder bei Regen – die LANUV-Probenehmerinnen und -Probenehmer sind immer unterwegs. Nur wenn das Thermometer unter zehn Grad minus fällt, wie zuletzt mehrere Tage im Februar 2021, müssen sie kapitulieren. „Bei 13 Grad Minus sind mir das Reinstwasser zum Spülen und das Wasser im Homogenisiergefäß gefroren, das hatte keinen Sinn mehr“, erinnert er sich. Doch an diesem Frühlingstag, an dem die Sonne ihr Bestes gibt, und die Temperaturen auf 20 Grad klettern, kann man ihn gut verstehen, wenn er sagt: „Ich mache den Job gerne, ich bin viel in der Natur unterwegs und kann mir den Arbeitstag frei einteilen.“
Während die Probenahmen an Oberflächengewässern und in Kläranlagen in der Regel routiniert abgehakt werden können, sorgen die Besuche bei Industriebetrieben wie zum Beispiel in Recyclinghöfen, Färbereien oder Chemieunternehmen für etwas Abwechslung. Das hat mehrere Gründe: Die Betriebe sind sehr verschieden, die örtlichen Begebenheiten unterscheiden sich, das Probenahmesetting fällt etwas anders aus und nicht immer sind die Betriebe bei Krauses unangemeldetem Besuch erpicht darauf, kontrolliert zu werden. Doch die allermeisten Unternehmen reagieren einsichtig, wenn der LANUV-Vertreter vor den Toren steht – so wie auch um die Mittagszeit bei der Entsorgungsgesellschaft Steinfurt, die die Sickerwasserbehandlungsanlage der Zentraldeponie Altenberge betreibt. Neben TOC- und CSB-Werten sowie Pflanzennährstoffen sind hier für die spätere Laboranalyse insbesondere Schwermetalle wie Chrom VI und Quecksilber sowie die Gruppe der adsorbierbaren organisch gebundenen Halogene (AOX) von Interesse. „Chrom VI ist einer der aufwendigsten Parameter bei der Probenahme“, erzählt Jannis Krause, während er im Auto die Proben zubereitet. Zuerst muss er den ph-Wert einstellen, dann Aluminiumsulfat zugeben, anschließend erneut den pH-Wert fixieren und zum Schluss noch eine Pufferlösung dazugeben. „Die Bindung des Chroms an das Sulfat verhindert, dass sich das Chrom verflüchtigt und im Labor nicht mehr nachgewiesen werden kann“, sagt er. Schließlich packt er die letzten gefüllten Fläschchen zusammen, stellt sie in eine separate Kühlbox, damit die Proben aus der Anlage nicht noch bei der Lagerung die anderen Proben aus der Ems oder der Kläranlage verunreinigen, und macht sich auf den Weg zurück zum LANUV-Stützpunkt.
Nach rund 70 Kilometern Fahrt durch das Münsterland ist die Tour für Jannis Krause zu Ende, die Arbeit allerdings noch nicht. In seiner Büroecke, wo an der Wand selbst geschossene Fotos von Uhu, Waldkauz, Eisvogel und Zaunkönig hängen, trägt er zum Abschluss seines Arbeitstags am PC die Daten in das Laborsystem ein und macht die Proben versandfertig – für den nächtlichen Kühltransport in die LANUV-Labore nach Herten oder Duisburg. Zum Schluss setzt er sich noch mit seinem Einsatzplaner Peter Hüttemann zusammen, lässt den Tag Revue passieren und bespricht mit ihm den kommenden Tagesablauf. Erst dann fährt er seinen Rechner runter und macht sich auf den Heimweg.
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