Quelle: Dr. Nadine Eickenscheidt

Neue Level-II-Kernfläche Wipperfürth

| Mit der Neuanalage der Level-II-Kernfläche „511 Wipperfürth“ zum 01.01.2025 weist das intensiven forstliche Umweltmonitoring wieder acht Kernflächen und 13 weitere Dauerbeobachtungsflächen auf. Die Erweiterungen im Rahmen des Konzeptes für die Fortführung des intensiven forstlichen Umweltmonitorings in Nordrhein-Westfalen aus dem Jahr 2021 sind nun weitgehend abgeschlossen.

Level-II-Kernfläche „511 Wipperfürth“

Mit der Level-II-Fläche „511 Wipperfürth“ wird nun auch das Wuchsgebiet „Bergisches Land“ durch eine Kernfläche des intensiven forstlichen Umweltmonitorings abgedeckt. Es handelt sich um eine für das Wuchsgebiet typische saure Braunerde, auf der ein rund 140-jähriger Traubeneichenbestand in Mischung mit Stieleiche und Rotbuche (etwa 80-jährig) stockt. Die Traubeneiche wird in NRW im Klimawandel insbesondere im Bergland an Bedeutung gewinnen. Daher wurde dieser typische Traubeneichen-Misch-Bestand gewählt. Es handelt sich um einen Wirtschaftswald. Der Standort wird als mäßig trocken bis wechselfeucht und die Nährstoffausstattung als gering bis mäßig eingestuft. Die Bestandesfläche liegt auf 275 m ü.N.N. und weist eine mäßige Hangneigung auf. Die Freifläche liegt etwas höher. Die Fläche wurde im Jahr 2024 vollständig ausgerüstet, so laufen nun seit dem 01.01.2025 sämtliche Teilerhebungen des intensiven forstlichen Umweltmonitorings. Depositions- und Streufallmessungen sowie alle biotischen und bodenkundlichen Erhebungen wurden bereits 2024 durchgeführt.

Erweiterungen im intensiven forstlichen Umweltmonitoring

Bereits seit 2022 wurde das intensive forstliche Umweltmonitoring im Rahmen des Konzeptes für die Fortführung des intensiven forstlichen Umweltmonitorings in Nordrhein-Westfalen (2021) wieder erweitert, u.a.:

  • 2022: Neuanlage Level-II-Kernfläche 510 Kranenburg (Kiefer) im Klever Reichswald als Ersatzfläche für die von Kyrill-betroffene ehemalige Level-II-Kernfläche 501 Kleve Kiefer
  • 2023: Aufnahme von Depositions- und Bodensaugspannungsmessungen auf der Dauerbeobachtungsfläche 738 Kempen (Douglasie & Fichte) in der Egge; Ersatzfläche für die ehemalige Level-II-Kernfläche 504 Velmerstot (Fichte), die seit 2020 als Kalamitätsfläche mit Minimalprogramm fortgeführt wird
  • 2023: Wiederaufnahme der Level-II-Kernfläche 5071 Rott (Buche; FFH-Gebiet) in der Eifel, die bereits nach Kyrill für kurze Zeit als Ersatzfläche für die zerstörte Level-II-Kernfläche 507 Rott/Monschau diente
  • 2024: Wiederaufnahme der Level-II-Kernfläche 566 Elberndorf Buche (Wildnisentwicklungsgebiet), die bereits zwischen 1982 und 2000 intensiv untersucht wurde und benachbart zur Level-II-Kernfläche 506 Elberndorf Kalamität (seit 2020; ehemals Fichte) liegt
  • 2025: Neuanlage Level-II-Kernfläche 511 Wipperfürth (s.o.)
  • Aufrüstung der letzten verbliebenen Fichten-Reinbestandsfläche 509 Lammersdorf (Eifel)
  • Bodenuntersuchungen inkl. Bodenphysik auf allen 21 Level-II-Flächen
  • Ausbau der Bodenwasserhaushaltsmessungen auf allen Flächen (wird weiter fortgesetzt)

Im Jahr 2025 werden nun wieder alle für den Wald NRW bedeutenden Baumarten und Wuchsgebiete durch das intensive forstliche Umweltmonitoring abgedeckt. 

 

Hintergrund: Konzept für die Fortführung des intensiven forstlichen Umweltmonitorings in NRW

Zu Beginn der 1980er Jahre gehörte das Land NRW zu den Vorreitern im forstlichen Umweltmonitoring. Noch im Jahr 2002 gab es in NRW 27 Dauerbeobachtungsflächen von denen acht Flächen Level-II-Kernflächen waren. Der Sturm Kyrill führte 2007 zu erheblichen Schäden in den Wäldern NRWs und traf auch drei Level-II-Kernflächen (501, 505, 507). Kurze Zeit später lief außerdem die letzte EU-Kofinanzierung im Rahmen von ICP Forests aus. In der Folge wurde das intensive forstliche Monitoring am LANUV reduziert.

Das Konzept für die Fortführung des intensiven forstlichen Umweltmonitorings in NRW stammt aus dem Jahr 2021. Hintergrund für das Konzept war, dass eine zeitnahe Anpassung des intensiven forstlichen Umweltmonitorings in NRW aufgrund der damalig aktuellen Situation mit drei aufeinander folgenden Dürrejahren (2018-2020) erforderlich war. Zum einen ist das Intensivmonitoring mit seinen langjährigen Zeitreihen und seinem breiten Erhebungsspektrum gut geeignet, die Forstpolitik und –praxis bei der nachhaltigen Waldentwicklung, -bewirtschaftung und Wiederbewaldung in Zeiten des Klimawandels und dem aktuellen Kalamitätsgeschehen zu unterstützen. Zum anderen war das Intensivmonitoring selbst durch Verluste von Beständen und Veränderungen auf Flächen betroffen, so dass gesetzliche Berichtspflichten nicht mehr erfüllt und bedeutende Wuchsgebiete und Baumarten nicht mehr abgedeckt wurden.

Aufgrund seines historischen sowie aktuellen Depositionsgeschehens kommt dem Agrar- und Industrieland NRW überdies auch auf Bundesebene eine besondere Rolle zu, die entsprechend wieder wahrgenommen werden sollte. Hierzu zählt auch die Ableitung von kritischen Belastungsgrenzen für die Waldvitalität im Klimawandel in typischen Waldökosystemen, die durch anhaltend hohe Stoffeinträge und deren Spätfolgen geprägt sind. Eine Wiederaufstockung der Level-II-Kernflächen wurde empfohlen, um die spezifische Situation in NRW ausreichend untersuchen und beurteilen zu können. Zusätzlich sollten Ursachen-Wirkungsbeziehungen und Prozesse wieder verstärkt in den Fokus des Intensivmonitorings in NRW rücken.

Das Konzept schlägt drei Erweiterungs-Pakete für die Zukunft des Intensivmonitorings unter Angabe des Kostenaufwandes und Zeithorizontes vor. Durch die Pakete werden folgende Punkte abgedeckt:

  • Erfüllung der Berichtspflichten nach ForUmV und ICP-Forests-Programm.
  • Abdeckung des Sauer-/Siegerlandes und des Bergischen Landes als bedeutende waldreiche Wuchsgebiete und die Berücksichtigung der wichtigsten Baumarten inkl. der Wiederaufnahme von Nadelholzflächen in das Kernprogramm.
  • Stärkung des Themenbereiches „Wald im Klimawandel“ durch eine Intensivierung der Bodenwasserhaushaltsmessungen und den Aufbau eines Bodenfeuchtemessnetzes für den Wald NRW in Zusammenarbeit mit dem Geologischen Dienst NRW und dem Landesbetrieb Wald und Holz NRW.
  • Stärkung der Themenbereiche „Eutrophierung und Spätfolgen der Versauerung“ sowie „Waldernährung“ indem das Depositionsgeschehen in typischen Waldökosystemen in NRW wieder vermehrt erfasst und auch der Boden als wichtige Grundlage der Wälder grundsätzlich mit untersucht wird. Dies bildet auch die Grundlage z.B. zur Ableitung von Nährstoffungleichgewichten, Nährstoffentzüge durch die Baumernte oder Kalkungsempfehlungen.


Weiterführende Links:

https://www.lanuv.nrw.de/themen/natur/forstliches-umweltmonitoring/level-ii-intensivmonitoring

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